Wappen von Dättwil



Der Hof Hofstätten in Dättwil
Die Stufen zum Birkenwäldchen im Februar 2011

Als der alte Bauernhof der Autobahn weichen musste

von Antoinette Hauri

Autos kamen, der historische Hof «Höch Huus» wurde abgerissen. Das war 1966. Nun sind die Stufen, die zum Hof führten, freigelegt worden.
Dass sie an einer historischen Stelle wirkten, war den Mitarbeitern des Baudepartementes nicht bekannt, als sie kürzlich im Dättwiler Dorfteil Unterhof im Bereich der Autobahnzufahrt auslichteten. Genau an der Stelle, wo 1966, vier Jahre nach der Eingemeindung, einer der vier historischen Höfe Dättwils dem Autobahnbau hat weichen müssen: der vermutlich bereits im 13. Jahrhundert erwähnte Hof Hofstätten, in der Neuzeit im Volksmund «Höch Huus» genannt.

Die Opfer der Nationalstrasse
Hier, und im Dättwil-Hof oben im Dorf, werden ab 1740 die ersten Reformierten der Region sesshaft. Ihre Nachkommen stellen die ersten Gemeindeammänner der politischen Gemeinde Dättwil, die 1805 aus den drei Ortschaften Dättwil, Rütihof und Münzlishausen entsteht. Mit wenigen weiteren Wohnhäusern und diversen Nebengebäuden bildet dieser Hof den Weiler Hofstätten, welcher erst im 20. Jahrhundert durch Häuserzeilen mit dem Dorf Dättwil verbunden ist. Für den Bau der Autobahn finden im bisherigen Strassensystem des Unterhofs grosse Umstrukturierungen statt, mehrere erst kurz vorher erbaute Wohnhäuser und ihre Familien werden Opfer des Nationalstrassenbaus. Ein Mieter errichtet in den 1950er-Jahre, so wird erzählt, liebevoll mit Kalksteinen aus dem Steinbruch Oberhard eine kürzere Verbindung vom Haus Richtung Dorf zu Milchhütte, Dorfladen sowie Schul- und Gemeindehaus.

Die Treppe mit ihren zwölf Stufen wird im Laufe der Jahrzehnte durch Brombeerranken und Sträucher in Besitz genommen. Sie weist aber deutlich darauf hin, wo das imposante Gebäude gestanden hat, und ist auch noch Alteingesessenen in bester Erinnerung.

Ehem. Hof Hofstätten und freigelegte Stufen


Diese Stufen haben Kantons-Mitarbeiter en passant freigelegt – so konnten sie wohl etwas leichter zum Birkenwäldlein vordringen. Hier stand der in strengem Grundriss gehaltene verputzte Massivbau mit Weiherblick, welcher jahrhundertelang den Durchgang gen Baden dominierte, wo die Nationalbahn seit 1877 vorbeiratterte – einen Tennisballwurf vom Baregg-Center entfernt.

Dättwiler Dokument XI (2009), «Dorfteile mit Anschluss. Dättwil Unterhof, Dättwil Langacher». 140 Seiten, reich illustriert, herausgegeben von der Chronikgruppe Dättwil (Postfach 5218, 5405 Baden-Dättwil; www.chronikgruppe.ch).


(Artikel erschienen in der Aargauer Zeitung vom 11.02.2011)